Jüdische Kultur

Überall im Land stoßen Reisende auf die Zeugnisse der vielfältigen jüdischen Kultur. Während außerhalb von Budapest im Holocaust das jüdische Leben 1944/45 nahezu vollständig zerstört wurde, konnten sich in der Hauptstadt viele jüdische Ungarn retten. Hier findet seit Jahren eine kleine Renaissance jüdischen Lebens statt, die sich unter anderem in der Literatur und Musik besonders deutlich zeigt.

Glanzvoller Mittelpunkt der größten jüdischen Gemeinde ist die Große Synagoge in der Dohány utca am Kleinen Ring in Budapest. Filigran ragen die maurisch angehauchten Türme in die Höhe, elegant ist das Innere gestaltet, das 3000 Gläubigen Platz bietet. Nebenan präsentiert das Jüdische Museum wertvolle Sakralgegenstände. Hier beginnt das alte jüdische Viertel, in dessen Mitte sich die hervorragend renovierte orthodoxe Synagoge befindet. In den wenigen Gassen, die im Winter 1944/45 zum Ghetto wurden, haben wieder jüdische Restaurants, Cafés und Geschäfte geöffnet. Seit 2004 erinnert in der Páva utca das Holocaust-Gedenkzentrum an den Terror der Nazis.

Die Budapest Klezmer Band unter der Leitung von Ferenc Jávori hat erfolgreich die jüdische Klezmer-Musik wieder auf die Bühne gebracht. Die mitreißenden Konzerte der Gruppe sind ein kulturelles Highlight! Seit einigen Jahren wird im Operettentheater sogar ein wunderbares Klezmer-Musical aufgeführt. In mehreren Cafés kommt regelmäßig Klezmer-Musik auf die Bühne und das Jüdische Sommerfestival hat sich zu einem der wichtigsten Kulturevents in Budapest entwickelt.

In der Literatur hat Budapest so bedeutende Schriftsteller wie den Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész hervorgebracht. In seinem bewegenden Roman eines Schicksallosen verarbeitet er seine Gefangenschaft in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald. Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, György Konrád, schreibt ebenfalls über seine Verfolgung durch die Nazis.

In vielen Städten des Landes stehen noch heute großartige Synagogen. Viele wurden allerdings für kulturelle Zwecke umgebaut, weil es keine Gemeinde mehr gibt. Beeindruckend sind die Synagogen in Szeged, Pécs und Győr. Aus dem Mittelalter blieben Gebetshäuser in Budapest und Sopron erhalten.

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